MUTMACHEN (48) Krippenfigur VIII

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach

Gegenlichtfotografie Mann hält ein Baby auf dem Arm
Foto: Josh Willink cc0 (stocksnap.io/pfarrbriefservice.de)

Sonntag 3. Januar - Krippenfigur Josef

Die bereits am 1. Januar erwähnte Birgitta von Schweden weiß nach ihrer Weihnachtsvision zu berichten: „Mit der Jungfrau Maria war ein sehr ehrenwerter alter Mann, und sie hatten einen Ochsen und einen Esel mit sich. Als sie in die Grotte gekommen waren, band der Alte den Ochsen und den Esel an die Krippe, ging hinaus und kam mit einem entzündeten Licht zur Jungfrau zurück, das er an der Mauer befestigte.“

Ein Kerzenlicht an der Krippe stehen zu haben, geht auf diese mittelalterliche Vision zurück, aber auch in einer Abwandlung zur Vision die (roten) Laternen, die oftmals über dem Jesuskind am Stall angebracht sind, und nicht zuletzt die Darstellung des hl Josefs als Greis. Wie alt Josef war, darüber weiß die Bibel nichts zu berichten, er verschwindet einfach aus der Lebensgeschichte Jesu, nachdem der zwölfjährige Jesus mit Maria und Josef Jerusalem zum Osterfest besucht hatten (Lukas 2,48). Überhaupt ist Josef nur eine Randfigur in den beiden Evangelien, die etwas über die Kindheit Jesu berichten (Matthäus und Lukas).

Dennoch ist Josef nicht unwichtig. Nach jüdischem Gesetzt wird man Jude durch den Vater, nicht durch die Mutter (das ist im römischen Recht anders, dort heißt es: mater certa – die Mutter ist sicher). Aber der verheißene Retter muss nach der Vorhersage der Propheten ein Nachfahre Davids sein, das war Josef ganz sicher. Deshalb ist dieser „Ersatzvater“, der seine Vaterschaft anerkennt, trotz seiner Randerscheinung nicht unwichtig. Wann er und seine Verlobte Maria schließlich geheiratet haben, muss man interpretieren: So wie es Matthäus und Lukas erzählen, war es wohl nach der Geburt Jesu.

Von beiden Evangelisten weiß aber nur Matthäus zu berichten, dass Josef sich auf die Engel verlassen hat, die ihm nachts erscheinen. Das erste Mal erklärt ihm ein Engel, wie es zur Schwangerschaft Mariens kam, das zweite Mal warnt ein Engel Josef vor den Mordgedanken des Königs Herodes und drängt zur Flucht nach Ägypten, das dritte Mal fordert der Engel Josef auf, mit Maria und Jesus aus dem ägyptischen Asyl wieder zurück zu kehren in die angestammte Heimat. Alles macht Josef, der Schreiner oder Architekt oder Baulöwe (all das könnte sich hinter dem Wort Zimmermann der Einheitsübersetzung verstecken) ruhig und bescheiden mit und trägt so dazu bei, dass Gott handeln kann.

Seit ich Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Mittleres Jagsttal bin, kommt mir, wenn ich über Josef nachdenke, immer wieder an ein Gebet in den Sinn, das hier viele ältere Gläubige auswendig kannten, wie ich im Oktober 2006 hier angefangen habe. Ich meine, es passt an den Anfang eines Neuen Jahres:

Heiliger Josef, Du halt Haus und gieß des Himmels Segen aus,
hier über unserem kleinen Herd, dass Lieb und Eintracht stets sich mehrt,
dass Fried und Freude uns begleit, und Gottesfurcht uns steht zur Seit,
dass unser Weg zum Himmel führt, und unser Tun die Tugend ziert.
Dies ist heut unsres Herzens Bitt: O sei und bleib in unsrer Mitt!
Dir geben wir mit frohem Blick den Schlüssel zu des Hauses Glück.
O schließe Du doch alles aus, was schaden könnte unserm Haus.
Schließ all die meinen und auch mich in Jesu Herz, das bitt ich Dich!
Dass hier uns jeder Tag vergeht, wie Dir im Haus zu Nazareth!

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach