MUTMACHEN (51) Fasching

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach

eine Narrenpuppe sitzt auf einem Balkon mit Holzgeländer
Foto: Peter Weidemann (pfarrbriefservice.de)

Faschingspredigt

Liebes in Christus versammeltes Häufchen
Mit ernster Predigt ist heut ein Päuschen.
Das Reimen fällt zwar schwer dieses Jahr
Doch nehme ich eine Sehnsucht wahr:
Wir sehnen uns nach alten Zeiten
Wo keiner musste den anderen meiden.
Wo Keiner was wußte von Maskenpflicht
Und jeder konnt schauen in jedes Gesicht.
So wird zwar manche Spur der Zeit verdeckt
auch manches Grinsen bleibt unentdeckt
selbst beim Geldabheben sind Masken Pflicht
früher ging so zur Bank nur ein Bösewicht.
Doch ohne so eine Maske vor der Visage
kann ich besser atmen durch die Nase.


Außerdem wäre es schön mal wieder zu singen
Es dürften sogar falsche Töne erklingen
Zum Friseur dürfen wir ja zum Glück  bald wieder gehn
Frisuren wie in den 80igern will man nicht mehr sehn.
Doch war alles besser vor genau einem Jahr?
Wo noch alles beim Alten war?
Wer wollte es glauben, es wird bald still
Weil Corona und Regierung das so will?
Da hat man sich über Kleinigkeiten beschwert
Sich nicht um Inzidenzen gescheert
Das Virus schien ein chinesiches Problem zu sein
Beim Skifahrn und anderem schlich es sich ein.


Doch bevor in Italien sich Särge gestappelt
Hat man bei uns über Thüringen gebabbelt
Weil ein Ministerpräsident der FDP
Wurde gewählt dank AFD
Auch anderes schien noch wichtig zu sein
Erst Corona zeigt: ich krieg alles klein.
Recht schnell wurden dann Theorien ersonnen
Die nüchtern betrachtet erscheinen gesponnen:
Uns würden dereinst Implantate geimpft
Wurde lang vor möglichen Impfungen bereits geschimpft
Und die Regierung wolle die Opposition vernichten
Tat man in ganz bestimmten Kreisen erdichten.
Mit Widerstandskämpfern hat man sich gemessen
Ja manche Queerdenker waren und sind sehr vermessen.
Hat denn der Hitler Demonstrationen gegen sich zugelassen?
Nein, aber das können Querdenker, besonders junge, nicht erfassen.
Die sind vom Irrtum so felsenfest überzeugt
Für die sind Fakten fast immer gebeugt
Nur damit man die Bevölkerung schikanieren könne
Als ob Merkel und Co davon etwas gewönne.


Dass es ums schützen von den Schwachen geht
Von denen offenbar keiner versteht.
Aber dazu tragen auch Entscheidungen bei
Die meinen Sterbewilligen stehe es Frei
rechtssicher das eigene Leben zu beenden
ich aber gebe folgendes zu bedenken:
Es mag berechtigt solche Situationen geben
Doch bestimmen Ausnahmen unser tägliches Leben?
Das Leben ist schützenwert, zu Beginn wie am Schluss,
alles andere halt ich für unchristlichen Stuss.
Nichtchristen braucht solches Denken nicht zu gefallen
Doch wenn Christen von Selbststötungsrecht etwas lallen
Treten sie überliefert christliches Denken mit Füßen
Was sie hoffentlich nicht müssen büßen
Und auch nicht die Kinder und Kindeskinder
An die denke ich nämlich bei Gott nicht minder:
Hat sich erst einmal Euthanasie etabliert,
wie schnell sind dann andere Grenzen kassiert:
Wird bei Schwachen besonders auf s Geld gesehn
Wie schnell ist es dann um sie geschehn:
Wenn unheilbar Kranke doch nur bald sterben
Warum nicht nachhelfen, um mehr zu erben?
Ist die Büchse der Pandora erst einmal auf
Wer hindert dann solchem Denken den Lauf?


Von solchen Argumenten will kaum einer was wissen
Nur unbegrenzte Freiheit will man nicht missen:
Und vermiesen will sie sich auch keiner lassen
Lieber christliche traditionelle Ethik hassen.
Dabei hat traditionell christliches Europa geprägt
Doch dieser Ast wird mehr und mehr grad abgesägt.
Dass ungewollt selbst Kardinäle da mit machen
Läßt mich darüber dennoch nicht lachen.
Köln scheint derzeit eher zu demolieren
Und nicht wie gewollt, das Image polieren.
Das gefällt auch mir nicht sehr
Und macht mir nur das Leben schwer.
Denn ich bin überzeugt von Kirche und Glauben
Selbst wenn manche die Reputation uns rauben.
Wichtig sind da auch Segen und so Sachen,
nur ist das derzeit schwer zu machen.
Doch hab ich dazu ein Verslein bekommen
Das ich mit Dank hier herein genommen:
Von Ihnen kam letztes Jahr vor Ostern irgendwann
Eine Anleitung, wie man s Osterlämmchen selber segnen kann
Mir hewwes probiert und stelle Sie sich vor
Des Lämmle hod gschmeckt wie alle Johr!
Der Mensch braucht gerade in der Pandemie
Nicht Sachen die es gab noch nie
Sondern etwas das ihm vertraut
Und nicht die letzten Nerven raubt.
Denn Nerven braucht man zur Zeit sehr gute
Vor allem zu Hause, in der eigenen Bude.
Deshalb jetzt zum Schluss was vertrautes
Doch von mir aktuell jetzt umgebautes:
 

1. Bei vielen unsrer Kinderlein
Gibts derzeit einen Schmerz:
„Wir dürfen nicht in d Schule rein
das bricht uns fast das Herz,“
Auch Kitas sind jetzt alle dicht
Die Kleinen drum zu Haus
Mama und Papa freut das nicht:
Denn Kinder wollen raus!
Der Herrgott dieses Leid jetzt sieht
Er singet Dir zum Trost ein Lied:

Du mer doch ned schimpfe
Es is bald wieder gut,
Jetzt freu dich auf das Impfe
Dann is wieder gut,
Jammer ned, ja so ein Dreck
Mim impfe kriegsch den Lockdown weg.

2. Doch nicht nur unsre Kinderlein
Sind derzeit recht betrübt
Auch Große finden es nicht fein
Wird Abstand nun geübt
das Virus flüstert: „braucht ihr nicht,“
und wittert seine Chance
„kommt doch zusammen dicht an dicht
und wiegt euch wie in Trance.“
Der Herrgott diese Elend sieht
Drum singt er mahnend dieses Lied:

Jetzt wartet auf des impfe
Dann wird s wieder gut,
Ansonschte muss i schimpfe
Des find i ned gut,
Jammert ned rum, des sei en Dreck
s impfe nimmt dem Virus sein Schreck.

3. Das Leben ist kein Tanzlokal,
Das Leben ist sehr ernst,
Die Mutation bringt weitre Qual,
wie du bei Würth erkennst,
Doch brich nicht unter seiner Last,
Sonst wärest du ein Tor,
Und trag was du zu tragen hast,
Geduldig mit Humor.
Denn Gott uns immer schützt und liebt
Auch wenn Corona Hiebe gibt:

Heile, heile Gänsje
Es is bald widder gut,
Es Kätzje hat e Schwänzje
Es is bald widder gut,
Heile heile Mausespeck:

Herr - Gott ich hätt den Mundschutz gern      LOS (weg)!

 

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach