MUTMACHEN (52) Aschermittwoch

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach

Nahaufnahme von einer Ascheschale, die ein Priester trägt
Foto: Peter Weidemann (pfarrbriefservice.de)

Aschermittwoch

1. Weg o Christ vom Weltgewühle, blicke hin nach Deinem Ziele,
sieh das Bild des Todes hier; Kreuz und Asche sagen Dir:
Was geboren ist auf Erden, |: muss zu Erd und Asche werden :|

2. Staub sind Tausende die kamen, wer gedenkt noch ihrer Namen?
Ach! Ihr moderndes Gebein, decket längst ein Leichenstein.
Was geboren ist auf Erden, |: muss zu Staub und Asche werden :|

3. Sieh! Das Kreuz auf dem Altare und die schwarz verhüllte Bahre,
samt der grauen Asche spricht: Aller harrt das Weltgericht.
Unser Reich ist nicht hienieden; |: Frömmigkeit schenkt Seelenfrieden! :|

4. Tritt hervor, o Christ, bestreue dich mit Asche und bereue deine Schuld,
das Heil beginnt. Eh das Stundenglas verrinnt,
wirf dich in dem Geist der Buße, |: nieder zu des Kreuzes Fuße. :|

Mit diesem alten, traditionellen Lied, das sich nicht im Gotteslob findet, beginnt in vielen Gemeinden - auch bei uns immer noch - die Fastenzeit an Aschermittwoch. Dieses Jahr von Anfang an eine Lockdownzeit, vor einem Jahr konnte man immerhin noch „normal“ singend diese Zeit starten lassen. Wie sehr der Mensch vom Tod umfangen ist, wie sehr Leben bedroht ist, dazu braucht es seit Mitte/Ende März 2020 keine Kirchen oder sonstige „spirituell“ angehauchten Kreise, Corona hat das allen gezeigt, auch wenn zunächst in unseren Breiten - obwohl der Landkreis ein Hotspot war - sich in Grenzen gehalten hat. Auch jetzt wieder beim jüngsten Ausbruch bei uns, wo wir wie letztes Jahr eine unrühmliche Spitzenposition einnehmen müssen in der Region der Weltmarktführer, die eigentlich in anderen Bereichen viel lieber führend sein möchte.

Aschermittwoch hat für mich immer auch irgendwie etwas mit Allerseelen zu tun, zumindest erinnert mich Aschermittwoch immer an ein Lied aus dem Gotteslob (Nr 503), das Martin Luther ins Deutsche übersetzt hat:

1. Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen.
Wer ist, der uns Hilfe bringt, dass wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine.
Uns reuet unsre Missetat, die dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland,
du ewiger Gott: lass uns nicht versinken in des bittern Todes Not. Kyrieleison.

(Nicht im Gotteslob, die 2. Strophe)

2. Mitten in dem Tod anficht uns der Hölle Rachen.
Wer will uns aus solcher Not frei und ledig machen?
Das tust du, Herr, alleine.
Es jammert dein Barmherzigkeit unsre Klag und großes Leid.
Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott, heiliger barmherziger Heiland,
du ewiger Gott: lass uns nicht versinken in des bittern Todes Not. Kyrieleison.

Der Tatsache, dass wir endliche Menschen sind, gehen wir gerne aus dem Weg und leider – zumindest meines Erachtens – auch ein wenig die Kirche seit der Liturgiereform. Anstelle die Endlichkeit des Menschen im Mittelpunkt des Nachdenkens zu lassen, ist der Ruf nach Umkehr gestellt worden: „Bekehre Dich und glaub an das Evangelium“. Früher hieß es flächendeckend in der gesamten Katholischen Welt zur Aschenbestreuung: „Bedenke, Staub bist Du, zum Staub kehrst Du zurück.“ (Steht nach wie vor als Alternative im Messbuch und wer mich kennt weiß, dass ich diesem Spruch eindeutig den Vorzug gebe.)

Im Unterschied zum Virus, das uns zur Besinnung, zum „innehalten“ auffordert, ist zu normalen Zeiten dieser Aufruf zum Nachdenken und innehalten, dieser Ansporn zu einem freiwilligen Fasten Lockdown in Bezug auf Alkohol, Schokolade oder Fernsehen/Medienkonsum harmlos. Aber er stört, dieser Aufruf, diese Erinnerung an die Vergänglichkeit, deshalb lieber das harmlos klingendere „Bekehre dich…“ Für meinen Geschmack aber, darf die Kirche immer wieder auch einmal aufrütteln, ein wenig vor den Kopf stoßen. Denn wie sehr wir denken, „Herren“ über unser Leben zu sein (ich weiß, das ist nicht gendergerecht ausgedrückt, ich bin halt altmodisch in mancher Hinsicht) zeigen ungewollt auch „Querdenker“, für die einfach nicht sein kann, was nicht sein darf, oder besonders „kluge“ Köpfe, die der Ansicht sind, hätte man früh genug alles gemacht, was notwendig und möglich gewesen sei, wäre die Pandemie nicht zur Pandemie geworden. Tut mir leid, aber viele Erkrankungen, die Menschen einfach so überfallen, (auch Sportliche, die auf einmal mit Krebs zu tun haben oder einen Schlaganfall erleiden), lassen mich immer wieder neu von Berufswegen erkennen: Wir sind vom Tod umfangen, aber es gibt einen, der uns aus dieser Umklammerung zu lösen weiß. Ihm sich wieder neu zuzuwenden, dazu ruft die Fastenzeit auf. Keine Zeit zum Erschrecken, sondern eine Zeit sich bewusst zu machen, wer wirklich sich als Herr zeigt und erweist.

Ein geistliches Wort von Pfarrer und Dekan Ingo Kuhbach